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<title>Verpressanker</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Verpressanker</span></h1>
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<p>Ein <b>Verpressanker</b>, auch als <b>vorgespannter Anker</b> bezeichnet, ist ein Einbauelement, das eine aufgebrachte <a href="Zugkraft" title="Zugkraft">Zugkraft</a> auf eine tragfähige Schicht im <a href="Baugrund" title="Baugrund">Baugrund</a> überträgt.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Er besteht aus einem <a href="Stahl" title="Stahl">stählernen</a> Zugglied (<a href="Anker_(Geotechnik)" title="Anker (Geotechnik)">Anker</a>), das in einem <a href="Bohrung" title="Bohrung">Bohrloch</a> eingebaut ist. Die Besonderheit bei einem Verpressanker besteht darin, dass dieser an einem Ende durch eingepressten <a href="Zement" title="Zement">Zementmörtel</a>, den <i>Verpresskörper</i>, im Baugrund verankert wird. Am anderen Ende wird der Anker über den <i>Ankerkopf</i> <a href="Vorspannung_(Mechanik)" title="Vorspannung (Mechanik)">vorgespannt</a>, welcher von der zu verankernden Konstruktion gehalten wird.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Es wird also eine Zugkraft in das Zugglied eingeleitet und so die zu verankernde Konstruktion in einer bestimmten Lage gegenüber dem Baugrund fixiert.
</p><p>Verpressanker werden bei <a href="Boden_(Bodenkunde)" title="Boden (Bodenkunde)">Boden</a> und <a href="Festgestein" class="mw-redirect" title="Festgestein">Fels</a> verwendet. Im <a href="Spezialtiefbau" title="Spezialtiefbau">Spezialtiefbau</a> dienen sie beispielsweise zur rückwärtigen Abstützung von <a href="Baugrube" title="Baugrube">Baugruben</a> und zur Sicherung von <a href="Gr%C3%BCndung_(Bauwesen)" title="Gründung (Bauwesen)">Bodenplatten</a> gegen <a href="Statischer_Auftrieb" title="Statischer Auftrieb">Auftrieb</a> durch das <a href="Grundwasser" title="Grundwasser">Grundwasser</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Im Fels vorgespannte Verpressanker wurden erstmals 1934 beim <a href="Talsperre" title="Talsperre">Talsperrenbau</a> in <a href="Algerien" title="Algerien">Algerien</a> angewendet.
</p><p>Verpressanker für Lockerböden wurden Ende der 1950er Jahre zur Rückverankerung großer und tiefer Baugrubenwände unter anderem durch <a href="Karlheinz_Bauer_(Unternehmer)" title="Karlheinz Bauer (Unternehmer)">Karlheinz Bauer</a> entwickelt. Erstmals eingesetzt wurden sie 1958 in <a href="M%C3%BCnchen" title="München">München</a> in einer Baugrube für ein Gebäude des Bayerischen Rundfunks.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Ursprünglich sollte die <a href="Bohrpfahlwand" title="Bohrpfahlwand">Bohrpfahlwand</a> der Baugrube mit Stahlstäben in parallel dazu hergestellten <a href="Brunnen" title="Brunnen">Brunnen</a>schächten verankert werden. Die ausführende Firma hatte aber Probleme, die Brunnen zu treffen. Bauer ließ daraufhin die Anker direkt im <a href="Kies" title="Kies">Kies</a>boden einbetonieren. Mit diesem 1958 von Bauer zum Patent angemeldeten <a href="Bauverfahren" title="Bauverfahren">Bauverfahren</a> des <i>Zugankers zur Verankerung von Bauteilen im Erdreich</i><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> konnten Baugruben ohne die bis dahin notwendige Aussteifung mit Hilfe von Baumstämmen oder Stahlstreben hergestellt werden. Dadurch entfiel die Behinderung bei den Bauarbeiten und es wurde möglich, Baugrubenwände, ein- oder mehrlagig rückverankert, herzustellen.
</p><p>Eines der bekannten Einsatzbeispiele stellt die Rückverankerung der <a href="Fundament" title="Fundament">Fundamente</a> des <a href="Seilnetz" title="Seilnetz">Zeltdaches</a> des <a href="Olympiapark_(M%C3%BCnchen)" title="Olympiapark (München)">Olympiaparks</a> in München dar.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Merkmale">Merkmale</h2></div>


<p>Ein herkömmlicher Verpressanker besteht aus
</p>
<ul><li>dem Ankerkopf</li>
<li>dem Zugglied, meist aus <a href="Spannstahl" title="Spannstahl">Spannstahl</a></li>
<li>dem Verpresskörper um das Zuggliedende.</li></ul>
<p>Über ein Spann- und Prüfsystem kann die jeweilige Krafteinbringung kontrolliert werden. Das Verfahren ist mittlerweile in Deutschland in der <a href="DIN_EN" class="mw-redirect" title="DIN EN">DIN EN</a>&nbsp;1537 technisch genormt und verschiedene Hersteller besitzen eine <a href="Allgemeine_bauaufsichtliche_Zulassung" title="Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung">Allgemeine Bauaufsichtliche Zulassung</a> für ihr Verfahren. Die Kraftübertragung in den Baugrund erfolgt über den Mantel des Verpresskörpers und ist auf die Verspannung des Verpresskörpers im Baugrund zurückzuführen.
</p><p>Die Bauweise kennt
</p>
<ul><li>Kurzzeitanker (bzw. temporäre Anker), die im Regelfall maximal zwei Jahre in Gebrauch sein dürfen.</li>
<li>Daueranker (bzw. permanente Anker), die einer Verankerung mit einer Nutzungsdauer von mindestens 100&nbsp;Jahren dienen. Sie müssen daher einen entsprechenden <a href="Korrosionsschutz" title="Korrosionsschutz">Korrosionsschutz</a> haben. Außerdem ist oft eine permanente Überwachung der Kraft im Zugglied erforderlich.</li></ul>
<p>Zur Auswahl stehen u.&nbsp;a. <a href="Anker_(Bauwesen)#Litzenanker" title="Anker (Bauwesen)">Litzen</a>- und <a href="Stabanker" title="Stabanker">Stabanker</a>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Ausgleichszahlung_für_eingebrachte_Verpressanker"><span id="Ausgleichszahlung_f.C3.BCr_eingebrachte_Verpressanker"></span>Ausgleichszahlung für eingebrachte Verpressanker</h2></div>

<p>Wenn Verpressanker sich auf Drittgrundstücke erstrecken, sind die davon betroffenen Grundstückseigentümer angemessen zu entschädigen. Dabei sind die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen (Art, Ausdehnung und Tiefe des Eingriffs) des Einzelfalls zu beachten. Sofern es sich um einen planfestgestellten öffentlich-rechtlichen Eingriff handelt, ermittelt sich der Ausgleich als Entschädigung nach den Grundsätzen der <a href="Enteignung" title="Enteignung">Enteignungsentschädigung</a>. Bei privatrechtlichen Eingriffen kann eine Kompensation frei ausgehandelt werden; hierzu kann ein Teilungsmodell verwendet werden, welches ausgeht von den Kosten, die der Bauherr durch die Verwendung von Verpressankern gegenüber einer alternativen Bauausführung ohne diese Art der Verankerung einspart. Wenn sich die Verpressanker auf öffentliches Straßenland erstrecken, kann die Gemeinde eine Straßenlandsondernutzungsgebühr erheben; einige Gemeinden haben dafür spezifische Gebührentatbestände.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li><a href="Klaus_Englert" title="Klaus Englert">Klaus Englert</a>, Manfred Stocker (Hrsg.): <i>40 Jahre Spezialtiefbau, Technische und rechtliche Entwicklungen 1953–1993</i>, Werner Verlag, 1993, ISBN 3-8041-1435-0</li>
<li>Dimitrois Kolymbas: <i>Geotechnik – Bodenmechanik und Grundbau</i>, Springer Verlag, 1997, ISBN 3-540-62806-1</li>
<li>Helmut Ostermayer: <i>Verpreßanker.</i> In: <i><a href="Grundbau-Taschenbuch" title="Grundbau-Taschenbuch">Grundbau-Taschenbuch</a>.</i> Hrsg. <a href="Ulrich_Smoltczyk" title="Ulrich Smoltczyk">Ulrich Smoltczyk</a>, Ernst &amp; Sohn, 2001, ISBN 3-433-01446-9</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li>G. Dausch, K. D. Kluckert: <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.baumaschine.de/fachzeitschriften/baumaschinen/bauportal_dateien/2001/heft6/a397_404.pdf/at_download/file"><i>Aktueller Stand der Ankertechnik</i></a>, in: <i>Tiefbau</i>, Jahr 2001, Heft 6, S. 397–404</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.anp-systems.at/index.php?id=7">Anker</a>, Produkte von ANP-Systems GmbH, abgerufen 2014</li>
<li><a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.dywidag-systems.de/produkte/geotechnik/dywidag-stabanker.html">DYWIDAG-Stabanker</a> und <a rel="nofollow" class="external text" href="http://www.dywidag-systems.de/produkte/geotechnik/dywidag-litzenanker.html">DYWIDAG-Litzenanker</a>, Produkte der gleichnamigen Firma, abgerufen 2014</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">DIN EN 1537: Ausführung von besonderen geotechnischen Arbeiten (Spezialtiefbau) – Verpressanker</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><cite style="font-style:italic">Grundbau-Taschenbuch. Teil 2: Geotechnische Verfahren</cite>. 8. Auflage. Ernst &amp; Sohn, Berlin 2018, ISBN 978-3-433-03152-0, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>375<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>ff</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Verpressanker&amp;rft.btitle=Grundbau-Taschenbuch.+Teil+2%3A+Geotechnische+Verfahren&amp;rft.date=2018&amp;rft.edition=8.+Auflage&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=9783433031520&amp;rft.pages=375+ff.&amp;rft.place=Berlin&amp;rft.pub=Ernst+%26+Sohn" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Walter Wittke <i>Stand und Entwicklung der Geotechnik in Deutschland</i>, Geotechnik 1998</span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text"><span class="cite">Patent <a rel="nofollow" class="external text" href="https://worldwide.espacenet.com/publicationDetails/biblio?locale=de_EP&amp;CC=DE&amp;NR=1104905B&amp;FT=D&amp;KC=B">DE1104905B</a>: <i>Zuganker zur Verankerung von Bauteilen im Erdreich.</i> Angemeldet am <span style="white-space:nowrap;">31.&nbsp;Dezember 1958</span>, veröffentlicht am <span style="white-space:nowrap;">13.&nbsp;April 1961</span>, Erfinder: Karlheinz Bauer.</span><span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Apatent&amp;rft_id=DE1104905B&amp;rft.applcc=DE&amp;rft.title=Zuganker+zur+Verankerung+von+Bauteilen+im+Erdreich&amp;rft.inventor=Karlheinz+Bauer&amp;rft.appldate=1958-12-31&amp;rft.pubdate=1961-04-13">‌</span></span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Hans-Gerd Becker: <i>Zur Ermittlung von Entschädigungen bei Einbringung von Verpressankern (Erdankern) in Grundstücken</i>, Grundstücksmarkt und Grundstückswert, Zeitschrift für Immobilienwirtschaft, Bodenpolitik und Wertermittlung, Heft 4 und 5/2025, S. 191–199 und S. 251–258.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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